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Vortrag Goethe als Werbeträger. Foto: Bert Bostelmann, (c) MSPT

Dienstag, 9. Mai 2017, 18.30 Uhr

Vortrag Goethe als Werbeträger. Foto: Bert Bostelmann, (c) MSPT
A C F : G A L E R I E
A C F : I N F O B O X

Vortrag von Jakob Gehlen, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin

Eintritt frei!

Seit 1992 ziert das Motto „Hier bin ich Mensch – hier kauf ich ein“ Einkaufstaschen und Wände einer großen Drogeriekette. Das leicht modifizierte Faust-Zitat fungiert als Willkommensgeste und stellt eine selbstverständliche Vertrautheit her – nur ein Gefühl unter vielen, das die Marke „Goethe“ auszulösen vermag. Humanitätsideal, Qualität, Schönheit, nicht zuletzt Erfolg und Breitenwirkung verspricht das Werben mit dem Olympier aus Weimar seit über hundert Jahren.

Ende des 19. Jahrhunderts begann die Liebig’s Extract of Meat Company Sammelbilder mit Faustszenen zu produzieren. Auf Postkarten wurden vorderseitig bekannte Szenen aus der Tragödie dargestellt, rückseitig fanden sich ein kurzer Werbetext über die Vorzüge des Fleischbrühenkonsums und eine knappe Zusammenfassung der umseitig dargestellten dramatischen Situation. Direkt untereinander sorgte sich so die emsige Hausfrau um den hungernden Ehemann, während sich Faust im Kerker von Gretchen verabschiedete. Die Fleischextrakt-Bildchen wurden mit Begeisterung gesammelt, der Volksstoff „Faust“ nutzte der Popularisierung der Brühe ungemein.

Dieser Urszene der Sammelbildchen geht der Vortrag nach und deckt anhand der Liebig-Werbekampagne Strategien der werbenden Narration auf. Stiftet hier nur die Aussicht auf Komplettierung einer Serie Kohärenz oder lassen sich Werbe- und Dramentext in Beziehung setzen? Welche Überschneidungen gibt es zwischen Brühwürfel und Faust?


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