Den Wal als Speisefisch zu bezeichnen, wie Herman Melville es in seinem Roman „Moby-Dick“ unternimmt, hat etwas Anachronistisches, Atavistisches und Groteskes. Denn bereits zu Melvilles Zeit wurde der Wal längst nicht mehr zu Ernährungszwecken, sondern für alle möglichen nicht zum Verzehr bestimmten Industrieprodukte gejagt, erlegt und verarbeitet. Sich den Wal dennoch als mundgerechte Mahlzeit vorzustellen, führt die Fantasie zurück aus dem Zeitalter maritimer Industrie in gleichsam vorzivilisatorische Stufen.
In seinem Vortrag „‚Der Wal als Speisefisch’. Zu Herman Melvilles Roman ‚Moby-Dick’“ am Dienstag, 8. Juni 2010, 18.30 Uhr gibt Dr. Erik Porath (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung) Aufschluss über die Ernährungsweisen auf hoher See. Dabei beleuchtet Porath die kulturelle Fallhöhe zwischen dem „Gourmand“, dem „Vielfraß“, und dem Essen, welches der gemeinen Mannschaft vorgesetzt wurde. Am Bespiel des gleichnamigen Romankapitels zeigt der Kulturwissenschaftler, dass nicht nur die Qualität der Nahrung, sondern auch die Tischsitten Aufschluss über die soziale Stellung der Fahrensleute an Bord geben. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei.
Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „kochen, essen, reden – satt?“, die noch bis zum 29. August 2010 das Essen als soziales und kommunikatives Ereignis beleuchtet.
„Der Wal als Speisefisch“. Zu Herman Melvilles Roman „Moby-Dick“
Vortrag von Dr. Erik Porath (ZfL)
Dienstag, 8. Juni 2010, 18.30 Uhr, Eintritt frei
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