2009 – Nr. 64 Berliner Augenblicke. Begegnungen mit Kunst
Museum für Kommunikation Berlin eröffnet Fotoausstellung von Wilhelm W. Reinke

Ob Loriot, Marcel Reich-Ranicki oder Katharina Thalbach – Berlin hat viele Gesichter. Die Fotoausstellung „Berliner Augenblicke. Prominente Begegnungen mit Kunst“ präsentiert vom 6. November 2009 bis zum 31. Januar 2010 fünfzig prominente Zeitgenossen, die Berlin in vielfältiger Weise verbunden sind. In den eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Wilhelm W. Reinke offenbaren sich die Porträtierten nicht allein durch ihren Blick in die Kamera, sondern auch in den mit dem Fotografen geführten Gesprächen. So kommen die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel Judy Winter, Walter Scheel, Julia Jentsch und Richard von Weizsäcker näher und erfahren etwas über deren persönliche Ansichten und Geschichten über Berlin sowie die Berliner Kunst. In dem vor zehn Jahren begonnen Fotoprojekt kommen darüber hinaus auch mittlerweile verstorbene Persönlichkeiten wie George Tabori oder Heinz Berggruen zu Wort.
 
Auf die Frage nach dem für sie beeindruckendsten Kunstwerk Berlins nennen viele der Prominenten bekannte Gemälde, Kunstobjekte oder Bauwerke wie den Funkturm (Dagmar Berghoff), den Pergamonaltar (Marcel Reich-Ranicki) oder die Brecht-Skulptur vor dem Berliner Ensemble (George Tabori). Für die Schauspielerin Gisela Trowe ist das Luftbrückendenkmal das eindrucksvollste Berliner Kunstwerk, weil es „mit dieser Stadt und nur mit dieser Stadt zu tun“ hat. Aber auch eher unscheinbare Orte wie etwa das kleine Fachwerkhaus in der Nähe des Hauptbahnhofes, zu dem sich Nicole Heesters hingezogen fühlt, oder die „»Hopse-Steine« – verschieden große Quader, mit denen nur in Berlin die Bürgersteine gepflastert sind“ (Rosemarie Fendel) – werden in den Unterhaltungen mit Reinke zu Orten der Kunst. 

Für Wilhelm W. Reinke steht der Mensch als Persönlichkeit im Mittelpunkt seiner Arbeit. „Zu meinen Fotografien gehören Menschen.“, so der Fotograf. „Und da die Menschen den größten Teil meiner Ideen einnehmen, muss ich ihnen auch den größten Teil meiner Aufmerksamkeit und meines Interesses schenken.“ Dabei konzentriert sich der Wahlberliner nicht allein auf das Gesicht, sondern misst den auch Händen als zentralem menschlichen Ausdrucksmittel einen besonderen Stellewert zu: Mal scheinen diese einem aufgestützten Gesicht Halt zu geben, mal lehnen sie sich hinter dem Kopf verschränkt mit dem Porträtierten zurück. Sie gestikulieren und signalisieren. Und wie der Mensch selbst sind die Hände für Reinke stets wichtiger Bestandteil seiner Bildkompositionen.

Wilhelm W. Reinke, 1963 in Braunschweig geboren, studierte Germanistik, Fotografie und Kunst in Braunschweig. Er veröffentlichte zahlreiche Fotokunstbände; seine Arbeiten waren in vielen Einzelausstellungen zu sehen. Bekannt geworden ist der Fotograf vor allem durch seine charakteristischen Porträts von Heinz Rühmann, Yehudi Menuhin und Peter Ustinov.

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