Eine dunkelhaarige Frau mit Sonnenbrille und Handy in der Hand, um ihren Hals eine Schlange

DIGITAL SINS. Vier Exkursionen ins Fegefeuer der Social Media

Kann denn Daddeln Sünde sein? Was ist so schlimm an dem, was wir tagtäglich am häufigsten berühren: unser Smartphone oder Tablet mit seinen Posts, Tweets und Reels? 

Was uns umtreibt – die Sehnsucht, gesehen, wertgeschätzt und wirksam zu sein – das kann schnell ins Maßlose führen. Für das Maßlose gab es einst den Begriff der Todsünde, und so überrascht es nicht, wenn Reid Hoffman, unter anderem LinkedIn- Co-Gründer, erklärt: „Soziale Netzwerke sind am erfolgreichsten, wenn sie eine der sieben Todsünden triggern“.

Auf einem performativen Parcours durch die Ausstellung APROPOS SEX wollen wir die Matrix von Social Media von Sehnsucht und Sünde aufdecken und Alternativen für uns entwickeln. Wenn amtliche Nachrichten mittlerweile einen Faktencheck brauchen, was ist dann mit den vielen privaten News, die auf Plattformen ohne Pause auf uns einstürmen?

Weil Internet auch Spaß macht, laden wir spielerisch zu Exkursionen und Abenteuern ein, die Euch von der Held:innen-Reise über den Western-Showdown bis auf die Therapie-Couch für Märchenprinzessinnen- und prinzen führen. Alle Abende werden begleitet von ausgewählten Expert:innen aus Wissenschaft, Medien, Schauspiel und Musik, vom Reiseleiter Bernhard Glocksin und dem Kollektiv “Selbstgebaute Musik”.

Eine Reihe von Museum für Kommunikation Berlin und Neuköllner Oper

Logo mit dem Schriftzug "Neuköllner Oper"

Mit freundlicher Unterstützung von

Termine

# 1 HOCHMUT / NARZISSMUS, 4. und 5. März 2025

# 2 WUT & TRÄGHEIT, 20. und 21. Mai 2025

# 3 NEID & GIER, 15. und 16. Juli 2025

# 4 LUST & VÖLLEREI, 18. November 2025

# 1 HOCHMUT / NARZISSMUS

Dienstag, 4. März 2025 und Mittwoch, 5. März 2025, jeweils 19 Uhr

Hochmut galt lange als schwerste aller Todsünden: wir stellen uns über alles und alle anderen (selbst Gott, so man an ihn glaubt). Kommt uns bekannt vor. Einen wesentlichen Aspekt könnte man mit Narzissmus übersetzen. Auch das kennen wir aus Alltag und Social Media. Jenseits individueller Pathologie ist Narzissmus aber auch ein äußerst folgenreiches Phänomen unsrer Zeit. Inszeniert, kultiviert und befeuert unter anderem von Algorithmen, Social-Media-Metriken und Beauty-Filtern, ist es ein für SM-Betreiber:innen höchst profitables (Geschäfts-)Modell. 

Um ihrem Zugriff zu entkommen, braucht es ein wild entschlossenes Publikum!

Auf einer wahren Held:innen-Reise trotzt das Publikum dem digitalen Höllenfeuer. Ihr befreit Wissenschaftler:innen und widersetzt Euch mit einem gewissen Dr. Freud, mit einem Engel der Demut und einer Partisanengruppe widerständiger User:innen der Aufmerksamkeitsökonomie. Schließlich erlangt Ihr im Fegefeuer (also dem Ort der Erkenntnis) Klarheit. Und vor allem: Mit Musik und Humor findet Ihr Alternativen zur digitalen Hölle. Denn wir lassen uns unsere Autonomie und Kreativität auch im Netz nicht nehmen.

Mit
– Dr. Catharina Katzer (Institut für Cyberpsychologie und Medienethik Köln)
– Prof. Simon Hegelich (Hochschule für Politik/ TU Müchen)
– Dr. Julia Baum, Zsuzsa Komaromy, MSc. (Institut für Psychologie, HU Berlin)
– Lisa Mader, Kamil Ahmad (Schauspiel) 
– Luiza Labouriau (Violine)
– Kollektiv „Selbstgebaute Musik“
Konzeption, Moderation: Bernhard Glocksin, Konzeption, Skript und Raum: Sabrina Rossetto

Tickets
15 Euro (ermäßigt 9 Euro) zzgl. 1 Euro VVK

Anmeldung
Hier gehts zur Anmeldung

# 2 WUT & TRÄGHEIT   

Dienstag, 20. Mai 2025 und Mittwoch, 21. Mai 2025, jeweils 19 Uhr

Willkommen im WWW, dem wild word web, oder auch Weltweitem Web der Wütigen. Hier herrscht das Gesetz des Wilden Westens, denn wie dieser so ist auch das Web Hoheitsgebiet der USA. Auf der Folie von Western als Narrativ der Selbstjustiz gehen wir auf Reisen zu Zorn und Wut. Wir begegnen realen Opfern dieses Systems der Selbstgerechtigkeit aus Mobbing, Shitstorms, Cancel Culture und Body-Shaming sowie seiner Schattenseite: der Trägheit als gelähmte Wut. In einem fiktiven Gerichtsprozess werden Hintergründe, Bedingungen und Dynamiken von Wut und Trägheit in den Sozialen Medien durchleuchtet.

Auch hier treffen wir wieder auf Expert:innen und User:innen, entwerfen ein „Grundgesetz für die digitale Welt“ und üben dabei alternative Kommunikationsweisen für den eigenen Chat-Gebrauch.

Mit dabei:
Clara Helming (AgorithmWatch)
Stefan Jahrling (Medienpädagoge, Museum für Kommunikation Berlin)
Katharina Mosene (Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft)
Friederike Moraht (Tagespiegel Background Digitalisierung & KI)
Prof. Christian Solmecke (Rechtsanwalt für Medien- und IT-Recht)
Kamil Ahmad und Lisa Mader (Schauspiel)
Michael Riemer (Gitarre u.a )
Künstlerkollektiv Selbstgebaute Musik

Konzeption, Moderation:
Bernhard Glocksin

Konzeption, Skript und Raum:
Sabrina Rossetto

Tickets
15 Euro (ermäßigt 9 Euro) zzgl. 1 Euro VVK

Anmeldung
Hier gehts zur Anmeldung

#3  NEID & HABGIER 

Dienstag, 15. Juli 2025 und Mittwoch, 16. Juli 2025, jeweils 19 Uhr

Nie waren Neid & Gier so sichtbar wie heutzutage. Instagram, Pinterest und Co. sind darauf aufgebaut, generieren neue Berufszweige wie Influencer:innen und Content-Kreator:innen und versprechen Reichtum und Fame. Im Museum für Kommunikation Berlin sitzen Cinderella/Aschenputtel und ihre bösen Stiefschwestern auf der Behandlungs-Couch und versuchen mithilfe unserer Expert:innen, die Dynamiken des Neids in den Sozialen Medien wie im realen Leben aufzudecken. Kann Musik dabei helfen? In Gruppen und im Plenum finden wir Wege aus der Missgunst und hinein in faire Selbstermächtigung.

Tickets
15 Euro (ermäßigt 9 Euro) zzgl. 1 Euro VVK

Anmeldung
Hier gehts zur Anmeldung

# 4 LUST & VÖLLEREI

Dienstag, 18. November 2025, 19 Uhr

Don Giovanni (aus Mozarts weltberühmter Oper) schmort im Höllenfeuer der Lüste und maßlosen Begierden. Mit dieser aus der Zeit gefallenen Figur nähern wir uns dem weiten Feld von Liebe, Sehnen, Sucht, Identität und Beziehungsfähigkeit. Anders noch als Giovanni haben wir heute immer auch ein zweites, ein digitales Ich, sind Performer:innen wie er. Aber in den endlosen Weiten und Abgründen der Social Media müssen wir heute unser analoges Leben mit den Möglichkeiten und Gefahren im Virtuellen in Übereinstimmung und Frieden bringen.

Unsere letzte Exkursion führt von unserer Schatzkammer hoch in die Ausstellung APROPOS SEX (und andersherum), führt von Giovannis Reich der Verführung und Musik hin zu den tageshellen Erkenntnissen der Gegenwart, um uns am Ende im Lichthof gemeinsam stark zu machen für ein Miteinander in Verbindung und Kommunikation, im Ausgleich und Austausch mit unterschiedlichen Wünschen und Identitäten.

Mit dabei:

Ondra Marie Menzel, Journalistin/Autorin für ARD/WDR u. a.
Dr. Jan van Loh, Psychotherapeut u. a. in der Berliner Jugendhilfe
Joa Helgesson (Sänger und (Body)-Performer/Don Giovanni)
Michael Riemer (musikalische Arrangements und Live-Musik)
Hajo Toppius & Sascha Schneider (Kollektiv Selbstgebaute Musik)
und das Team des Museums für Kommunikation Berlin

Moderation: Bernhard Glocksin
Idee, Ausstattung: Sabrina Rossetto
Technik: Uwe Lochner

Tickets
15 Euro (ermäßigt 9 Euro) zzgl. 1 Euro VVK